Die Sozis sind in ihre Niederlagen verliebt – vor allem bei Bundestagswahlen. Peer Steinbrück hat als SPD-Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen seinen einzigen Wahlkampf gnadenlos verloren, Sigmar Gabriel hat als SPD-Ministerpräsident in Niedersachsen seinen einzigen Wahlkampf ebenfalls klar verloren - und Frank-Walter Steinmeier hat als Kanzlerkandidat die bundesrepublikanische SPD 2009 in ihre schwerste Niederlage geführt. Und jetzt hat Peer Steinbrück als Bewerber um den Dirigenten einer Berliner rot-grünen Koalition den alten SPD-Karren bravourös mit Karacho gegen die Wand gedonnert.
Die Reaktion der Sozis war wie immer: trotziger und rauschender Beifall für den Verlierer. Denn – Schuld an einer Wahlniederlage haben nie die sozialistische Partei oder ihre Kandidaten. Nein. Nach alter Sozi-Denke tragen immer andere die Schuld - entweder die noch nicht richtig aufgeklärten Wähler (besser gesagt: das dumme deutsche Volk) oder gar der böse Klassenfeind.
Und wenn unsere Sozis in ihrem Latein nicht mehr weiter wissen, dann schmiegen sie sich an ihren „Politikfeind“ an ... siehe 1914 … auch wenn sich alles ein wenig nuttig anfühlt.
So ist sie halt - die alte SPD-Tradition. Siehe auch die traurigen Dramen von Ödön von Horváth … oder denke ich gar an Joseph Roth, der 1925 aus Marseille an Bernard von Brentano und Benno Reifenberg so treffend schrieb:
"Morgen beginnt hier der Sozialistenkongreß ... Mit Schillerkragen! Mit Aktentaschen! Mit Regenschirmen! Mit dicken Frauen auf Plattfüßen! Sie gehn ohne Hüte! Sie schwitzen. Sie stinken. Sie trinken Bier. Sie reden lauter als die vielen Orientalen ... Alle Sozialdemokraten sehen deutsch aus. Sogar die litauischen. Denn in Deutschland ist der Typus zu Hause: redlich, fleißig, biertrinkend, die Ordnung der Welt verbessernd. Ein Demokrat und sozial. ,Gerecht!' Hoffnung auf Evolution. Alles deutsch. Der Sehnsucht der deutschen Frau, auf Schuhen ohne Absätze durch ein Leben voller Tätigkeit zu marschieren, kommt der Sozialismus entgegen ... Fortwährend dampfend vor Tätigkeit, Geschwätz, Fortsetzung der Konferenzen am Abend im Café durch Gruppenbildung und lange Tische, Schrecken der Kellner..."
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen