Ich
bin in Grimmen-Bartmannshagen geboren ... im Dezember 1948 in der
protestantischen (lutherischen) Marienkirche in Grimmen getauft – vorpommerische
“Kirche”. Von Kirche wurde in meiner Familie nie gesprochen. Es wurde auch
nicht gebetet.
In der Strohstraße 7 (Grimmen) wohnte neben uns auch eine Familie mit einer Tochter, die so alt war wie ich. Die war katholisch. Und die kamen aus dem Sudentengau – Flüchtlinge.
Und es wohnte auch Frau Berta Franz, eine Witwe, deren Ehemann im Ersten Weltkrieg gefallen war. Sie hatte nie mehr geheiratet. In dieser Zeit von 1950 bis 1955 war diese Frau an die 65 / 70 Jahre alt gewesen sein.
Da
mein Vater SED-Kommunist war und nie in die Kirche ging – und auch meine Mutter
nie in die Kirche besuchte ... erbarmte sich diese Witwe und nahm mich in die prtestantische
Marienkirche sonntäglich mit ... und ich ging sehr gern mit in den Gottesdienst
... warum? Ich weiß es nicht. Es hat mir gefallen – die Sphäre, das Licht, die
Lust, die Töne.
Ich fragte diese Frau Franz (ich sagte “Frau Franz” - nicht gar Tante Franz - oder ähnlichen Firlefanz... da war sie streng protestantisch, sie war mit dem Wort sehr streng)....
Also, ich fragte Frau Franz, was ist das mit dem “katholisch” sein...
Und
sie antwortete: Das ist wie italienisch oder auch französisch, südlich halt,
unsere Feinde, Menschen, gegen die wir Deutschen gekämpft haben (ihr Mann auch)
... die Italiener und Franzosen sind katholisch... das ist wie jüdisch...
Aber
Juden gibt es bei uns in Grimmen nicht mehr... es waren nur wenige … die sind
weggezogen …und katholisch, das waren immer nur Verräter, eigentlich keine
richtigen Deutschen und keine Christen, das waren Lügner, Heuchler – die Katholiken dienten der Hure ROM, dem
Satan Papst ... wie Martin Luther, der kluge und edle und fromme Reformator, sagte.
Meine
Eltern lachten einfach darüber, wenn ich darüber erzählte. Aber sie nahmen
keine Stellung. Sie sagten nur, ist es anders – Religion sei eine Sache für
Kinder und alte Leute.
Mein Vater hatte den Kommunisten in Grimmen nach dem Arbeiteraufstand 17. Juni 1953 sein SED-Parteibuch zurückgegeben – war ausgetreten ... und wollte auch nicht mein in die Partei eintreten. Und da wir keine Verwandten in der DDR hatten - (die Eltern meines Vaters waren in Grimmen nach Flucht (Schneidemühl / Kreuz) gestorben, seine beiden Schwestern wohnten mit den Familien in Kiel und Hamburg / und auch die Verwandten meiner Mutter wohnten im Westen: ihre Eltern in Westberlin, ihre Schwester mit Familie in Hamburg, die Familie ihres Bruders in Dortmund) ... da entschieden sich meine Eltern am 18. November 1958 nach Westberlin zu fahren (zuvor hatten sie vier Koffer schon hingebracht) – bzw. MICH aus der DDR zu entführen bzw. verschleppen – ins kapitalistische Ausland.
So stand ich als ehemaliger “Junger Pionier” in Heilbronn ... 10 jährig, evangelisch mit nichtgläubigen Ex-Kommunisten-Eltern. Ich war strutsauer auf meine Eltern – ging allein in die Kirche (ohne Frau Franz) und beschimpfte meinen Vater als "Ex-Stalinisten”.
Die
neue Nachbarin in Heilbronn, eine Schwäbin, namens Frau Merkle, fragte meine
Mutter: “Was send Se – kadholisch oder evangelisch?” – Kleinmütig antwortete
meine Mutter: “Evangelisch”.
Antwort:
“Des isch guet – kadholisch isch schlemmer als jidisch – die Katdholische sind
hinterlischdig und lügen ... schlimmer als die Juden.”
In
Heilbronn waren in der Schule keine Katholiken. Ganz evangelisch.
Als
ich in Künzelsau ins Internat mit 14 Jahren kam, waren vier Mitschüler evangelisch
und 18 katholisch.
Und da ich nicht wusste (nach der fürchterlichen protestantischen Propaganda in meiner Kindheit), welche nun der gute Kirche und welche die schlechte Kirche ist, sagte ich mir, ich werde es herausfinden:
Jeden
Sonntag in die evangelische Kirche und am nächsten Sonntag in die katholische.
Ich arbeitete an den ev. Kirche mit, war bis 18 im CVJM, war auch auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart (Präsident: Richard von Weizsäcker)
Resultat:
Mit 19 verließ ich die evangelische Kirche – und war sehr, sehr froh darüber.
Politisch wurde ich auch:
Mitglied
in der Partei des KZ-Häftlings Kurt Schumacher, der kein Stalinist war wie mein
Vater ... aber als dann die linken Jusos/Stamokap die Mehrheit hatten unter dem
linken/evangelischen (Ex-NSDAP-Mitglied) Erhard Eppler hatten, da warf ich den
Genossen mein SPD-Parteibuch hin ...
Tja
– so wirkt Propaganda ... und ich bin sehr froh katholisch zu sein.
Ich
hätte doch Jesuit werden – mit 20 ... wenn ich nicht so sündig gewesen wäre...
Übrigens: Die langsame Annäherung an die katholischen Kirche war ein schleichender Prozeß, der am fünften Lebensjahr begann ... und endete mit der Fírmung als erwachsener Mann im Augustinus Kirche in Heilbronn. Das war ein wirkliches Fest - bei dem die Gemeinde zum Schluss Beifall spendete.
Kurz gesagt: Ich wußte an diesem Augenblick, dass ich glücklich sein kann - und angekommen bin - in meiner Kirche, in meinem Christensein.
Übrigens: Die langsame Annäherung an die katholischen Kirche war ein schleichender Prozeß, der am fünften Lebensjahr begann ... und endete mit der Fírmung als erwachsener Mann im Augustinus Kirche in Heilbronn. Das war ein wirkliches Fest - bei dem die Gemeinde zum Schluss Beifall spendete.
Kurz gesagt: Ich wußte an diesem Augenblick, dass ich glücklich sein kann - und angekommen bin - in meiner Kirche, in meinem Christensein.
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